PDF-Version: Pressemitteilung_HNO-Versorgung_in_Poessneck–Antwort_des_Gesundheitsministeriums_enttaeuscht
Die Antwort des Thüringer Gesundheitsministeriums auf die Anfrage von UBV-Kreistagsmitglied und Pößnecker Stadtrat Wolfgang Kleindienst zur zukünftigen ärztlichen Versorgung in Pößneck ist aus Sicht der Unabhängigen Bürgervertretung Saale-Orla enttäuschend.
Nach dem Tod des Pößnecker HNO-Arztes Dr. med. Ralph Callmeier hatte sich Kleindienst zunächst an die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen (KVT) und anschließend an Gesundheitsministerin Katharina Schenk gewandt.
Das Gesundheitsministerium erklärt nun, hinsichtlich der Nachfolge für die Pößnecker HNO-Praxis sei zunächst das Nachbesetzungsverfahren abzuwarten. Bis zur Klärung bestehe die Hoffnung, dass die beiden anderen HNO-Praxen im Saale-Orla-Kreis oder Praxen in umliegenden Landkreisen die Patienten freiwillig übernehmen. Das Ministerium räumt dabei selbst ein, dass dies für die Patienten mit weiteren Anfahrtswegen und längeren Wartezeiten verbunden sein kann.
„Hoffnung allein sichert keine ärztliche Versorgung“, erklärt Wolfgang Kleindienst. „Wenn die Perspektive für die betroffenen Patienten darin besteht, längere Wartezeiten und immer weitere Wege in Kauf nehmen zu müssen, dann beschreibt das keine Sicherung der wohnortnahen Versorgung, sondern deren schleichenden Abbau.“
Versorgungsgrad könnte von 113,41 auf 75,61 Prozent fallen
Besonders kritisch bewertet die UBV die Diskrepanz zwischen der tatsächlichen Situation vor Ort und der rechnerischen Bedarfsplanung.
Nach Angaben der KVT liegt der HNO-Versorgungsgrad im Saale-Orla-Kreis derzeit bei 113,41 Prozent, wobei die ehemalige Praxis von Dr. Callmeier noch berücksichtigt wird. Sollte der Pößnecker Arztsitz nicht nachbesetzt werden, würde der Versorgungsgrad nach Berechnung der KVT auf lediglich 75,61 Prozent absinken.
Hinzu kommt: Die KVT hat aufgrund der Altersstruktur darauf hingewiesen, dass in absehbarer Zeit ein weiterer HNO-Arzt im Saale-Orla-Kreis seine Tätigkeit beenden könnte.
Das Gesundheitsministerium verweist gleichzeitig darauf, dass die Niederlassungsförderung des Landes grundsätzlich erst möglich sei, wenn der Versorgungsgrad unter 110 Prozent liegt. Solange über das Nachbesetzungsverfahren für die Pößnecker Praxis noch nicht entschieden wurde, werde planungsrechtlich noch von einer Versorgung oberhalb dieser Grenze ausgegangen.
„Hier passen Statistik und Lebenswirklichkeit nicht mehr zusammen. Ein verstorbener Arzt kann keine Patienten behandeln. Wenn aber bestimmte Fördermöglichkeiten erst greifen, nachdem sich die tatsächliche Versorgungslücke auch rechnerisch niedergeschlagen hat, verlieren
wir wertvolle Zeit“, kritisiert Kleindienst.
Für die UBV muss deshalb geprüft werden, welche Möglichkeiten bereits bei einer drohenden Unterversorgung oder einem lokalen Versorgungsbedarf bestehen. Entscheidend müsse sein, eine Versorgungslücke zu verhindern, statt erst auf sie zu reagieren.
Die UBV will sich deshalb mit der Antwort des Ministeriums nicht zufriedengeben und hat Gesundheitsministerin Katharina Schenk erneut konkrete Fragen vorgelegt.
Unter anderem soll das Ministerium beantworten, ob es sachgerecht ist, dass der Sitz eines verstorbenen Arztes bei der Beurteilung der Fördermöglichkeiten zunächst weiterhin zu einem Versorgungsgrad von mehr als 110 Prozent beiträgt, obwohl tatsächlich keine Patienten mehr
behandelt werden können.
Weiterhin will die UBV wissen, welche konkreten Maßnahmen das Land ergreifen oder unterstützen wird, falls für den HNO-Sitz in Pößneck kein Nachfolger gefunden wird. Außerdem wird gefragt, ob angesichts eines möglichen Absinkens des Versorgungsgrades auf 75,61 Prozent bereits jetzt geprüft wird, ob eine drohende Unterversorgung oder ein lokaler Versorgungsbedarf vorliegt. Dabei soll auch berücksichtigt werden, dass nach Einschätzung der KVT aufgrund der Altersstruktur ein weiterer HNO-Arzt im Landkreis seine Tätigkeit in absehbarer Zeit beenden könnte.
„Wir wollen eine klare Antwort auf die entscheidende Frage: Was kann heute getan werden, damit wir morgen nicht vor einer tatsächlichen Unterversorgung stehen? Es reicht nicht, erst dann Förderinstrumente einzusetzen, wenn die Versorgung bereits weggebrochen ist“, erklärt Kleindienst.
Krankenhaus Pößneck soll erhalten bleiben – aber mit welchen Leistungen?
Zur Zukunft des Krankenhauses Pößneck enthält die Antwort des Ministeriums zumindest eine wichtige Aussage. Der Krankenhausstandort soll im Rahmen der Krankenhausplanung erhalten bleiben. Allerdings sei der Planungsprozess noch nicht abgeschlossen. Der Schwerpunkt werde voraussichtlich auf der Allgemeinen Inneren Medizin liegen.
Für die UBV stellt sich deshalb die entscheidende Frage, welche medizinischen Leistungen am Krankenhaus Pößneck künftig tatsächlich noch dauerhaft angeboten werden sollen. Auch hierzu richtet Kleindienst eine weitere Frage an das Gesundheitsministerium: Welche medizinischen Leistungsbereiche sollen nach dem gegenwärtigen Planungsstand neben der Allgemeinen Inneren Medizin erhalten bleiben und wann ist mit verbindlichen Entscheidungen zu rechnen?
„Die Aussage, dass der Krankenhausstandort erhalten bleiben soll, begrüßen wir ausdrücklich. Aber für die Bürgerinnen und Bürger ist entscheidend, was dieser Standort zukünftig tatsächlich medizinisch leisten wird. Der Begriff ‚Erhalt des Standortes‘ allein beantwortet diese Frage noch nicht.“
Fragen an den Landrat seit Anfang Mai unbeantwortet
Auch gegenüber dem Saale-Orla-Kreis besteht weiterhin Klärungsbedarf. Bereits seit Anfang Mai warten entsprechende Fragen Kleindiensts zur Situation und Zukunft des Krankenhauses Pößneck auf eine Beantwortung.
In der Sitzung des Kreisausschusses am 2. September 2026 fragte Kleindienst deshalb erneut beim Landrat nach. Dieser sagte zu, dass die Fragen innerhalb von 14 Tagen beantwortet werden sollen. Diese Frist läuft derzeit noch.
„Diese zugesagte Antwort warten wir selbstverständlich ab. Anschließend werden wir auch prüfen, wie die Aussagen des Landkreises zu den Aussagen des Gesundheitsministeriums passen. Am Ende brauchen wir eine klare und verlässliche Perspektive für das Krankenhaus Pößneck.“
UBV fordert Handeln, bevor die Versorgungslücke entsteht
Für die UBV geht es nicht darum, Zuständigkeiten zwischen Kassenärztlicher Vereinigung, Freistaat und Landkreis hin und her zu schieben.
„Für die Bürger ist nicht entscheidend, wer auf dem Papier zuständig ist. Entscheidend ist, ob sie einen Arzt finden, einen Termin bekommen und medizinische Versorgung in zumutbarer Entfernung erhalten.“
Die UBV erwartet deshalb konkrete Anstrengungen aller Beteiligten zur Sicherung der medizinischen Versorgung in Pößneck und im gesamten Saale-Orla-Kreis.
„Wir dürfen nicht warten, bis aus einer drohenden Versorgungslücke eine tatsächliche Unterversorgung geworden ist. Es muss gehandelt werden, solange noch Handlungsmöglichkeiten bestehen.“
Mit freundlichen Grüßen
Wolfgang Kleindienst
Mitglied des Kreistages des Saale-Orla-Kreises
Mitglied des Stadtrates Pößneck
Unabhängige Bürgervertretung Saale-Orla – UBV
Anlagen:


